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  • Rettung oder Ruin?

    Jürgen Wertheimer und das LTT sezieren in „Annexionen“ die Eskalation im Iran

    Wo verläuft die Grenze zwischen Befreiung und Zerstörung? Wenn geopolitische Interessen auf menschliche Schicksale treffen, verschwimmen die Kategorien von Gut und Böse. Das Landestheater widmet die vierte Ausgabe seines erfolgreichen Matinee-Formats „Annexionen“ der hochexplosiven Lage im Iran. Unter dem Titel „Rettung oder Ruin?“ lädt Jürgen Wertheimer zu einer tiefschürfenden Analyse der aktuellen militärischen und politischen Spannungen ein.

    Angesichts der jüngsten Angriffe durch die USA und Israel steht die Region am Abgrund. Doch was bedeutet ein möglicher Regimewechsel für die Menschen vor Ort? Ist die Intervention ein notwendiger Akt für die Menschenrechte oder der finale Stoß in das Chaos?

    Als hochkarätiger Gast bereichert die iranische Publizistin und Künstlerin Mina Khani die Debatte. Khani, die seit 20 Jahren als anerkannte politische Geflüchtete in Deutschland lebt, gilt als eine der profiliertesten Stimmen zur iranischen Protestbewegung. Aus einer dezidiert feministischen Perspektive beleuchtet sie seit über einem Jahrzehnt das Spannungsfeld zwischen religiöser Unterdrückung und dem Drang nach Freiheit.

    Ihre Biografie ist selbst ein Zeugnis der Restriktionen: Während ihr in ihrer Heimat eine Tanzausbildung untersagt blieb, etablierte sie sich in Europa als Choreografin und Schauspielerin. In der Matinee wird Khani nicht nur die politischen Fakten analysieren, sondern auch der Unsichtbarkeit der iranischen Zivilgesellschaft kraftvolle Argumente entgegensetzen.

    „Annexionen“ Folge 4 verspricht keine einfachen Antworten, sondern eine kluge, notwendige Auseinandersetzung mit einem Konflikt, der die Weltordnung erschüttert.

    Die gewohnt souveräne Moderation übernimmt Dr. Bernd Villhauer vom Weltethos-Institut Tübingen, der zielsicher den Bogen zwischen philosophischem Anspruch und politischer Realität spannt. Flankiert wird er dabei von Helge Thun, der als Comedian und Wortakrobat virtuos beweist, dass sich Tiefgang und Humor keineswegs ausschließen.

    Sonntag, 15. März 2026 um 11 Uhr – LTT-Saal

    Eintritt: 10 Euro

    Karten unter: 07071-93 131 49 oder landestheater-tuebingen.de

  • “Wo die Gefahr ist wächst das Rettende auch“? Annexionen bekämpfen

    von Jürgen Wertheimer 

    Vor wenigen Wochen konnten wir miterleben, dass die Bedrohungslagen nicht zu einem Einknicken, sondern zu einer Verstärkung der Widerstandskraft und zu glasklaren Ansagen an den Gegner führen kann. Die Rede des kanadischen Präsidenten Carney in Davos war solch eine Ansage:

    „… Wir stellen uns aktiv der Welt, wie sie ist – und warten nicht auf die Welt, die wir uns wünschen. Kanada kalibriert unsere Beziehungen so, dass ihre Tiefe unsere Werte widerspiegelt… Wir verlassen uns nicht länger nur auf die Stärke unserer Werte, sondern auch auf den Wert unserer Stärke. Wir bauen diese Stärke zu Hause auf.”

    Sollte Hölderlin mit seinem immer wieder zitierten Motto aus seiner späten Hymne „Patmos“ tatsächlich recht behalten?

    „Wo aber Gefahr ist, wächst
    Das Rettende auch.“

    — „Wo aber Gefahr ist, wächst/ Das das Rettende auch.“ Ein wunderbarer Satz von Hölderlin – ideal für Feierstunden im getragenen Heideggerton. Tiefsinnig. Unhinterfragbar.

    Ich liebe Hölderlin – aber ich traue ihm nicht ganz. Gerade in solchen Sätzen, einer Mischung von Versprechen und Falle. Zu oft ist er der visionären Kraft seiner eigenen Sprache erlegen. So auch hier in der Hymne “Patmos”. Im weiteren Verlauf dieses langen, sehr langen Gedichts werden Götter und Helden, Asien und das Abendland auf den Plan gerufen, um das Rettende zu retten. Kräfte und Mächte, über die wir Bewohner einer säkularen Welt nicht mehr verfügen. 

    Deshalb das Fragezeichen hinter der Losung. Nicht, um den Satz zu schreddern, sondern um ihn zu überprüfen. Denn Eines ist wahr: Gefährdungen können in der Tat beachtliche Reaktionen der Gegenwehr freisetzen: Putins ebenso sinnloser wie brutaler Überfall auf die UKR ruft enorme Widerstandskräfte auf den Plan.

    Trumps irrwitzige Drohungen wecken die Lebensgeister Kanadas und Grönlands und beflügeln ein Art nationaler Wiedergeburt.

    So gesehen hat Hölderlin mit seiner Annahme des Rettenden recht: die Bedrohung kann die Widerstandskraft des Bedrohten, seine Resilienz steigern. Im günstigsten Fall entstehen sogar Solidargemeinschaften, mit denen der ursprünglich Drohende niemals rechnen konnte. Ganz sicher hat Putin nicht damit gerechnet, daß sein Angriff dazu führen würde, daß er nun halb Europa an der Backe hat.

    Aber Achtung:

    Hölderlin sprach nicht vom eskalierten Angriff – sondern von der Phase, in der sich eine Gefährdungslage abzuzeichnen, Gefahr sich zu materialisieren beginnt, sich anschleicht … 

    Im Fall der UKR war das nicht der Moment als Putin tausende von Panzern an der Grenze auffahren ließ. Das war es schon zu spât, um Rettungsmaßnahmen in Gang zu setzen. Die Gefährdungslage, auf die man alarmiert hätte achten müssen, nahm bereits 2013, zehn Jahre vorher, auf dem Euromaidan Gestalt an.

    Damals hätte man den Konflikt entschärfen, Rettungmaßnehmen ergreifen können. Auf das von RUS fernsteuerte Massaker an Eurobefürwortern (mehr als 100 Tote) reagierte der Westen lax. Während die Menschen in der Hauptstadt bei Protesten für die europäische Idee sterben, beginnt auf der Krim die erste russische Invasion. Russische Soldaten besetzen in der zweiten Hälfte des Februar 2014 die ukrainische Halbinsel. Reaktionen des Westens: indignierte Verweise auf einen Bruch des Völkerrechts. Mehr geschieht nicht. 

    Mit anderen Worte: man hat in einer Mischung aus Bequemlichkeit, Routine und Feigheit an die 10 Jahre verpasst. 

    Hölderlin lebte nicht auf einem idealistischen Ponyhof. Er war Zeitgenosse der blutigsten Kämpfe zwischen den Fraktionen der Revolution, den Radikalen und Gemäßigten, schrieb im Schatten der Guillotinen und war sich gefährdender Situationen bewusst. Die Rettungsgötter und Hilfsheroen von denen ich vorher sprach, waren Beschwörungsversuche für etwas, was in uns stattfinden muss. Adlerflüge und göttliche Winke – schön und gut: was Hölderlin damit meinte, war ein kollektives Freisetzen alle kognitiven, emotionalen, mentalen und sprachlichen Mittel, über die der Mensch gerade in kritischen Situationen verfügt, verfügen muss, um zu überleben.  Man kann rückblickend sagen: Keiner der Mächtigen, der Entscheider von damals aktivierte diese Sprache. Die Sprache, die unser gefährlichstes, aber auch unser wirksamstes Instrument ist. Erst zehn Jahre später fiel der Begriff der —Zeitenwende.

    Und manchmal ist es ein einzelnes Wort, das große mentale und auch politischen Bewegungen in Gang setzen kann. Aber offenbar können wir erst sprechen, wenn uns das Wasser bis zum Halse steht – mit dem Messer an der Kehle.

    Noch einmal Hölderlin, in Prosa übersetzt: 

    „Erst wenn wir den Atem der Gefahr  unmittelbar spüren, aktivieren wir das Rettungsprogramm“!

    Aber dann vermögen wir es in der Tat!

  • Rede von Jürgen Wertheimer am 28. Februar 2026 zum Badawi -Uludag – Imamoglu Forum

    Vorbemerkung: 

    Ein Istanbuler Gerichtshof fordert für den Regimegegner Imamoglu 2450 Jahre Haft und rechnet mit einer Prozessdauer von 13 Jahren. 

    … Ich fände die 2450 Jahre als Strafmaß eigentlich ganz angemessen. Allerdings nicht für die Angeklagten, sondern für ihre bösartigen Ankläger.

    Und auch eine geplante Prozessdauer von annähernd 13 Jahren übertrifft selbst Kafkas Irrwitz an Absurdität bei weitem und spricht für sich selbst.

    Eigentlich müsste die Präsidentin der UN Generalversammlung, Frau Baerbock ob solch gravierender Verstöße gegen die Völker-Rechtsordnung und Menschenrechte Kopf stehen. Auch Frau von der Leyen von der EU könnte mal ihr nachsichtiges Dauerlächeln kurzfristig abstellen und Tacheles reden im Sinne der wertebasierten Politik, für die die EU angeblich steht.

    Wenn nicht die Szene zum Tribunal, sondern das Tribunal zur Farce wird, sollten die Alarmglocken der demokratischen Institutionen anspringen und man sollte den Protest gegen diese Verstöße nicht uns kleinen gutwilligen Bürgergruppen überlassen, sondern selbst aktiv werden.

    Oder sollten wir wirklich mental bereits schon so gelähmt und so tief gesunken sein, dass wir auf das Eingreifen des Friedensrates von Donald Trump warten, um Autokraten aus dem Amt zu hieven.

    Und wer weiß, wie lange es dieses neu installierte Gremium noch gibt? Vielleicht wird der Philosoph in Donald Trump über kurz oder lang zur Schlussfolgerung kommen, sich selbst zu entsorgen…, um für den Frieden etwas zu tun. Das Thema ist zu ernst, um keine Witze zu machen.

    Zum Positiven: Immerhin haben wir die Erfahrung machen dürfen, dass vehemente diplomatische Einmischungen von oben gelegentlich doch Erfolg haben. Steinmeiers Einstehen für Boualem Sansal — auch wir standen vor ein paar Monaten vor dem Rathaus — führte jedenfalls zu seiner Freilassung! Auch wenn das halbe Jahr Knast in Algerien nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist.

    Frei ist mittlerweile auch Badawi für den Ihr Euch seit Jahren eingesetzt habt!!!

    Boualem und auch Badawi, beide treibt um, dass sie – war es Zufall, war es Laune – in den Genuss jener Freiheit kamen, die so vielen verwehrt blieb. 

    Verhaftung oder Freilassung sind und bleiben Teil derselben Maschinerie und Psychologie der Willkür. Auch der Begnadigte weiß, dass seine Freiheit meist teuer erkauft ist. Der Preis ist hoch. Man ist einerseits froh, noch einmal mit heiler Haut davongekommen zu sein, – im Innersten ahnt man, dass man verloren hat. Denn das Herrschaftssystem, gegen das man antrat, blieb und bleibt an der Macht. Und selbst der Akt der Begnadigung ist Bestätigung dieser Macht. Die Autokraten, wie immer sie nun heißen mögen, bleiben ungerührt und scheinbar unberührbar.

    Und genau darum geht es, hier liegt der Hund begraben: 

    Wir haben einen Deal gemacht – nicht mehr und nicht weniger. Einen Deal mit Leuten, denen wir zurecht nicht trauen.

    Wir verhandeln, kämpfen um Zugeständnisse – lassen das Unrecht selbst aber unangetastet: Jahre, Jahrzehnte lang: Erdogan schikaniert sein Volk seit mehr als 20 Jahren. Die Mullahs verfolgen die Iraner seit 1979. Netanjahu wiegelt die Juden seit Jahrzehnten auf. Putin nahm Russland vor mehr als 20 Jahren in Geiselhaft. Trump die Amerikaner vor einer gefühlten Unendlichkeit.

    Ganz massiv stellt sich also die Frage: Wie werden wir die internationale Liga der Scharfmacher und Kriegstreiber los?! 

    Die Unrechtssysteme sind innerlich ausgehöhlt, aber ihre Ruinen stehen noch. Man könnte es auch hoffnungsvoller ausdrücken: Die Fassaden der Macht stehen noch, aber die Systeme sind aushöhlt und kurz vor dem Kollabieren. Falls dies nicht so wäre, würden die Potentaten sehr viel gelassener mit dem politischen Gegner (z.b. Ekrem Imamoglu) umgehen. Und hätten nicht solch abnorme Wut auf die -Reportagen von Alican Uludag. Und hätten einen harmlosen Literaten und Romancier wie Boualem Sansal nicht vom Flughafen weg in den Knast gesperrt. 

    Für mich – und das ist die positive Botschaft – sind all dies Alarmsignale und Hinweise auf einen bevorstehenden Zerfall der totalitären Systeme, – auf ein Brüchigwerden von innen heraus. Wurzelfäule nennt man das in der Botanik. Im Grunde ahnen die Diktatoren, dass fast alle nur mehr auf ihr Absterben warten. Und genau dieses Wissen macht sie noch unberechenbarer und wütender. Noch misstrauischer, ängstlicher. Ja, die so dominant auftretenden Diktatoren sind in Wahrheit ängstlich und deshalb be- und überwachen sie jeden unserer Schritte. Natürlich haben auch wir Angst vor ihnen – aber sie fürchten uns auch. Und wir müssen sie das Fürchten lehren.

    Die Demokratien sind aufgefordert, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um diesen beginnenden Zermürbungs – und Zerfallsprozess der autokratischen Systeme zu beschleunigen. Und es steht in der Macht der Politiker, sehr viel mehr zu tun als es der Fall ist.

    Der Diktatorentypus erwartet Unterwerfungsgesten – also: Verzichtet darauf – rollt ihnen keine roten Teppiche mehr auf.

    Er erwartet Anerkennung und Akzeptanz — lasst also seine Erwartungen ins Leere laufen.

    Er denkt, man wäre auf ihn angewiesen, wollte Deals mit ihm aushandeln. Verzichtet darauf. Isoliert ihn, trocknet ihn aus. Solidarisiert euch mit seinen Gegnern. Er wird über kurz oder lang kollabieren.

    Woher ich das alles zu wissen glaube? Etwa aus Büchern? Bücherweisheiten? Ja, in der Tat. Ein Diktatorenroman wie G. G. Márquez: Der Herbst des Patriarchen setzt uns in die Lage, klar zu erkennen, wo die Schwachpunkte der Mächtigen liegen – wo man sie angreifen sollte. Und genau das sollten wir tun!

  • Kuppler, Kunde, Angebot

    von Jürgen Wertheimer


    Viele rätseln noch immer und fragen sich welches Mysterium sich hinter Epsteins überwältigendem Erfolg verbergen mag. Bisweilen aber sagt der Blick auf ein einziges Bild mehr als tausend Worte. Wenn ich ein gelernter Semiotiker wäre, würde mir dieses vergleichsweise harmlos erscheinende Bild einer beliebigen Party bei Epstein die Augen öffnen und die ganze Geschichte erzählen.

    In der Mitte, in zweiter Reihe, verdeckt lauernd, der meisterliche Regisseur und Vermittler, mit seinem angedeuteten, undefinierbarem Lächeln, verschlossenen Lippen, Pokerface.

    In erster Reihe die von ihm in Szene gesetzten Akteure: Kunde und Ware.

    Der potentielle Kunde, nicht uninteressiert aber auch noch nicht zum Kauf entschlossen. Die Gier noch zurückgehaltend. Zugleich abschätzig, verschlossen, taxierend. 

    Und dann natürlich: die Ware, das Objekt der Begierde. Der Mund klafterweit, animiert und animierend offen, dem Kunden als Offerte entgegengeneigt. Nackte Haut, gespielte Seligkeit .

    Ein Moment nur – wie wissen nichts über den weiteren Vorgang der Episode. Aber wir begreifen wie das System funktionierte. Der Fuchs in der Mitte verstand es meisterlich und ohne sich dabei groß aufzuspielen, Begierden zu wecken und zu befriedigen. Das leise, zufriedene Lächeln, das um seine Lippen spielt, gilt nur einem einzigen: sich selbst. Sich selbst und seiner souveränen Menschenkenntnis, seiner Raffinesse, seinem Instinkt für das, was sich hinter den Fassaden abspielt. Es wirkt fast so, als wäre er ein wenig erstaunt darüber, wie leicht sich alle auf sein Spiel einließen: Alle diese Idioten und Idiotinnen die serienweise auf seine Mache herein fielen. Auch ein Teil der Frauen, die nicht nur Opfer waren, sondern wie man sieht, höchst aktiv an den sich anbahnenden Deals beteiligte. 

    Das stille, in sich gekehrte Lächeln des Epizentrums dieser Komödie der Verführungen jenseits von Gut und Böse ist der Schlüssel zum Verstehen dessen, was sich da unter Mitwirkung der Großen dieser Welt abgespielt hat.

    Womit wir auf Ebene zwei unserer kleinen „Bildbeschreibung“ angelangt wären. Dabei interessiert es uns nicht, wer sich da wem wozu anbietet und wer das Spiel wie lange mitspielt. Die Ware ist austauschbar, das Angebot, der Markt entscheidet. Auf diesem Markt der organisierten Begehrlichkeit ist Individuelles völlig gleichgültig. Preis und Nachfrage allein entscheiden. Auch und gerade in diesem Milieu , wo das Erotische strategisch als Gleitmittel der Macht eingesetzt wird, und alles in einen „Deal“ verwandelt wird.

    Auf Ebene drei schließlich stehen wir alle auf der Bühne. Denn nun geht es um unser aller Käuflichkeit, Verkäuflichkeit, Verführbarkeit. Und so kurios es klingen mag – plötzlich sind wir bei Lessing, mitten im 18. Jahrhundert. Wie bekennt die sexuell massiv bedrohte, verfolgte Schönheit, das was man heute „Opfer“, nennt, Emilia Galotti, dort:

    „Wer kann der Gewalt nicht trotzen? Was Gewalt heißt, ist nichts: Verführung ist die wahre Gewalt.”

    Und genau dieses Register der Verführung beherrschen die Ebsteins dieser Welt seit jeher aufs Trefflichste. Und wir alle gehen ihnen nach wie vor serienweise auf den Leim: im Kleinen wie im Großen. Digital arbeitende Liebesillusionisten – Scammer – ergaunern auf diese Weise Millionen von bedürftigen, willigen „Opfern“.

    Und wir Europäer – machen wir wirklich eine sehr viel überzeugendere Figur, wenn wir vor  Autokraten in die Knie gehen, um Zuwendung betteln und standing ovations spenden? Als ob wir uns nicht auch wie das blonde Model auf Abruf feil bieten würden. 

    PS: Bilder können Masken darstellen, verräterische Züge andeutungsweise demaskieren -ins Innerste der Seelen reichen ihre Fühler nicht.

    Die kriminelle Energie des leicht gedunsenen Kunden, die abgrundtiefe  Gemeinheit des Kupplers vermögen sie nicht mit letzter Schärfe zu erfassen.

  • Annexion 3 – Veranstaltung in Tübingen am 1. März

    Ziel der dritten Veranstaltung wird es sein, Wege zu skizzieren, die uns aus der Rolle der Überraschten, Überforderten, hilflos Klagenden herausführen könnten.

    Gibt es Strategien um uns wieder zu souverän Agierenden werden zu lassen, statt immer nur auf Impulse von Außen zu reagieren?

    Welches sind die von Hölderlin erhofften Rettungswege und wie realistisch sind sie in Anbetracht massiver Gefährdungen durch zunehmend rücksichtslos auftretende Großmächte?

    Hat der vergleichsweise fragile, plurikulturelle Kontinent Europa eine realistische Überlebenschance?

  • Ruttes alarmistische Geographie

    von Jürgen Wertheimer

    „Wir alle befinden uns an der Ostflanke“ tönt der Generalsekretär der NATO und meint damit — uns alle:

    Gleich ob wir in Kiew oder Sevilla, Wroclaw oder  Palermo leben – vor russischen Hyperschallraketen, so rechnet der verhinderte Konzertpianist den Menschen vor, darf sich keiner sicher fühlen. Und rein technisch gesehen hat er ja recht: für eine Kinschal bedeutet die Differenz von 2000 KM gerade einmal eine 5 Minuten längere Flugzeit.

    Politisch gesehen sind gedankliche Arabesken dieser Art freilich die reinsten Brandbeschleuniger. In unserem ohnehin aufgerauten und kriegslüsternen Klima, in dem Feuilletonisten sich schon mit koketten Fragen wie „sind wir fit for War“ aus der Deckung wagen, sollten verantwortungsbewußte Politiker der Versuchung widerstehen, mit knalligen Sprachkreationen in Erscheinung  zu treten. Die viel beschworene Ostgrenze wird durch verbale und faktische Panzersperren, Landminengürtel Abwehrdrohnengeschwader in Richtung Ost nicht sicherer. 

    Im Gegenteil: der angeschlagene Gegner (und Russland ist durch seinen  jämmerlich aus den Gleisen gelaufenen Angriffskrieg mental schwer angeschlagen) wird so lange provoziert , bis er zurückschlägt. Ich  kann und will mir vorerst nicht vorstellen, dass der Westen es drauf anlegt, Russland zu einem Harakiririritt in Richtung Krakau, Vilnius, Berlin anzustacheln. Wenn dies so ist, sollte man freilich verbal tendenziell abrüsten, statt mit immer verwegeneren Sprachschöpfungen zu brillieren. Denn es gilt noch immer: Dem  Krieg der Worte folgt sehr oft einer der Waffen. Und Losungen wie „Deutschland wird am Hindukusch verteidigt“ (seinerzeit), „In der Ukraine geht es um Europa“ oder „Sevilla liegt an der Ostflanke“ (heute ) nähren den Krieg, anstatt ihm Nahrung zu entziehen. 

    JÜW  Febr. 21

  • Streiflicht – 20.2.2026

    von Jürgen Wertheimer

    Machen wir uns doch  nichts vor:

    Europa wird jetzt  in der UKR genauso wenig wie seinerzeit am Hindukusch. 

    Es kann gar nicht verteidigt werden, denn  es hat längst verloren. 

    Hören wir doch auf mit den großen Worten. Von wegen Zeitenwende und „Neustart“: Wie sind und bleiben weder Fisch noch Fleisch.

    Weil wir den Aufstand immer nur proben. 

    Weil wir allenfalls reagieren, statt zu agieren. 

    Weil wie trotz Vorbehalten irgendwie mitmachen.

    Weil wir Atomwaffen haben wollen und auch wieder nicht.

    Weil wir misstrauisch und gutgläubig zugleich sind.

    Beispiel Trumps Friedensrat.

    Wir lehnen ihn einerseits ab. Konkurrenz zur UN. Anmaßung. Inakzeptabel. Und schicken zugleich hochrangige Beobachter hin. Einmal mehr:  in der Rolle der Zaungäste. 

    Beispiel Gaza: Die Bundestagspräsidentin bringt sich in Stellung, posiert mit Schutzhelm flankiert von israelischen Soldaten .  Fotoshooting, halbe  Stunde – das war’s. Konkrete Mitwirkung bei Wiederaufbau: Fehlanzeige.

    Beispiel Osteuropa : Nato Truppen spielen Krieg und werfen sich in Kampfmontur – pittoreske Manöver an der Ostsee, Kampf an vorderster Front – freilich nur als Planspiel rot gegen blau. Derweil trotz horrender Bezahlung die Kasernen der neu installierten Panzerbrigade in Litauen halb leer bleiben. 

    Beispiel Grönland: Deutsche Soldaten sind  tatsächlich nur wenige Stunden nach Trumps  aggressiver Ansage vor Ort – und ein paar Stunden später bereits  wieder weg – mission completed. 

    Wenn wie nicht aufpassen, werden wir nicht nur Europa – sondern Weltmeister in der Disziplin Stippvisiten und praktizierte Halbherzigkeit. 

  • Streiflicht – 17.2.2026

    von Jürgen Wertheimer

    Ist dies schon Wahnsinn, hat es doch Methode.

    Beobachtet man das gegenwärtige kriegssüchtige Gesamtszenarium – neuerdings erstreckt es sich bis hin zu Überlegungen letztlich doch „Die Bombe“, natürlich die A Bombe haben zu wollen – kommt man nicht umhin, an das alte, in einem sehr viel harmloseren Zusammenhang stehende  Zitat aus Shakespeares Hamlet zu denken.

    In der Tat, der neu entflammte Wahnsinn hat Methode. Und dieser Wahnsinn greift epidemisch um sich. In Deutschland hat die Diskussion unter vorgehaltener Hand letztlich bereits begonnen. Noch werden pro und contra nuklearer Teilhabe erwogen – ganz so als ob man erst dann richtig erwachsen wäre, wenn man die Bombe hat. Frankreich und England haben sie längst. Eben erfährt man, selbst Polen will sie – so Polens Präsident, der nun eigene Atomwaffen für sein Land erwägt, und damit einen Nerv trifft – so die Pressestimmen.

    Die Ansteckungsgefahr für politischen Wahnwitz ist eminent. Dabei war man gedanklich 1964 schon sehr viel weiter. Stanley Kubicks satirischer Film Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (Originaltitel: Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb) schildert hinreißend, was geschehen könnte. Was Geisteskranke wie der US General Jack D. Ripper versuchen könnten, wenn sie erstmal im Besitz dieser Weltvernichtungswaffen sind. Ripper ist von einem sowjetischen Geheimplan überzeugt, dem er zuvorkommen will. Die Bomber sind kurz darauf bereits auf dem Weg in Richtung Russland und können nicht mehr zurückgerufen werden. Dem Präsidenten schlägt er daher vor, alle verfügbaren Atomwaffen gegen die Sowjetunion einzusetzen, um so den vollständigen Sieg zu erringen. Die eigenen Verluste könnte man so bei „akzeptablen“ 10 bis 20 Millionen Toten halten, was gegenüber 150 Millionen bei zögerlichem Handeln noch als Erfolg gewertet werden könnte.

    Natürlich: nur eine wilde Phantasie, eine groteske satirische Überzeichung. Undenkbar in unserer von Experten durchorganisierten Welt.

    Wirklich undenkbar?

    Jedenfalls sollte man derzeit sehr zurückhaltender mit derartigen im Ernstfall für alle tödlichen Gedankenspielen umgehen!!

  • Streiflicht – 16.2.2026

    von Jürgen Wertheimer

    Man kann es drehen wie man will: die krude Wahrheit ist doch: derzeit befinden sich zwei der größten Länder dieser Erde in der Geiselhaft von zwei jeweils auf ihre Art Wahnsinnigen mit beachtlicher krimineller Energie.

    Ergo: die Menschen Russlands und der Vereinigten Staaten müssen sich von diesen Irrläufern der Politik befreien – je schneller desto besser. Es hat keinen Sinn mit diesen Leuten zu verhandeln. Man muß sie kaltstellen, bevor sie noch immer mehr Menschen ins Unglück stürzen!