Territorialfusionen: Achtung — die großen Grenzverschiebungen und Rochaden drohen

von Jürgen Wertheimer

Wenn der UKR Krieg – ob mit oder ohne Trumps Vermittlung   – in nächster Zeit endet,  werden die Spannungen im Bereich der innereuropäschen Tektonik weitergehen. Und zwar mit großer Dynamik. Insofern könnte, wenn Europa nicht sehr auf der Hut ist, Putins 2. Versuch Europa zu destabilisieren doch noch Erfolg haben. 

Sind nach einer evt. Befriedung die Regionen Donez und Luhansk möglicherweise russisch, und die Krim nach wie vor russisch, würde eine Art Rumpfukraine entstehen, die dann vielleicht im Gegenzug der NATO und EU beitreten dürfte. 

Die Risse, die durch diese Grenzverschiebung entstünden wären  folgenreich und könnten einen Erdrutsch, einen Dominoeffekt auslösen: Serbien könnte sich motiviert sehen, sich das verhaßte Kosovo eizuverleiben. Ungarn könnte versucht sein, Besitzanspruch an das heutige rumänische Siebenbürgen anzumelden. Mischgebiete, Übergangszonen, autonome Regionen – Fehlanzeige, statt dessen  stärker und mehr denn  je: Grenzen, Grenzen, Grenzen.

Demarkationslinien von Staaten, Nationalstaaten. „Stammesgebiete“ statt Kontakzonen. Kontrolle statt Begegnung.  Statt Transfer: Mauern, Brandmauern. Kurz man retabliert   genau die Szenarien, die ursächlich alle großen Kriege des 20. Jahrhunderts vorbereiteten. Diese erstarkende Nationalstaatseuphorie verbunden mit der in Russland erfolgreich herbeigeführten geopolitischen Zeitenwende könnte gefährlich Bewegungen in Gang setzen. 

Nicht nur Ungarn und Serbien, auch Polen stellt – unwillentlich aber fahrlässig – Grenzen infrage. Das Festhalten aus Reparationsforderungen gegenüber  Deutschland  macht urplötzlich die deutschen Ostgebiete wieder zu einem Thema der Politik. Plötzlich könnte der Ladenhüter der „Oder -Neisse – Grenze wieder auf der politischen Agenda stehen. 

Spannungen tun sich bereits jetzt  zwischen Polen und der UKR auf. Gar einem EU Beitritt der UKT steht Polen mehr als skeptisch gegenüber. Das polnisch ukrainische Verhältnis aufgrund der historischen Vorgeschichte und der wechselseitigen Ressentiments nicht weniger entzündlich als das russische ukrainische.

Dazu kommen noch weit größere Bewegungen im Überseeischen Bereich, die gleichfalls dem Schema, daß Putin vorgab,   gehorchen: Kanada, Grönland stehen auf der Wunschliste dieser Vorsitzenden, die die Welt wie ein Unternehmen führen wollen und zugleich vorgeben, Sicherheitsinteressen zu verteidigen  nach dem Putinmotto: Territorialfusion als Präventivschlag- 

Die Befriedung Europas – ein geplatzter Traum? Die Toten all der Kriege jedoch sind  anscheinend längst noch nicht zur Ruhe gekommen  und fordern ihr Recht auf Wiedergutmachung und Gebietsrevision. Die Literatur ist der getreuste Spiegel dieser noch unsichtbaren Verwerfungen…

14. 1. 

JüW

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