Kategorie: Allgemein

  • How to End a War

    von Jürgen Wertheimer

    „Können wir Krieg?“ , „Sind wir Kriegstüchtig“, ist dies „der letzte Sommer im Frieden?“ Mit einem mal sind sie da. Diese Sätze, die künftige Kriege nicht nur prognostizieren, sondern auch vorbereiten. In Ihrem Gefolge fließen Milliarden in Rüstung. Dabei weiß jeder: Waffen wollen letztendlich verwendet werden.

    Ceasefire, Waffenstillstand ist alles worauf man noch hofft.

    Auch hier ist der Meister zu zitieren: Trump über den Nahen Osten: „Dort heißt Waffenruhe, dass man weniger heftig schießt.”

    Ich fürchte, er hat mit dieser für seine Verhältnisse geradezu differenzierten Aussage nicht ganz Unrecht. Wenn nicht alles täuscht, werden wir uns nicht nur im nahen Osten, sondern weltweit an diesen Zustand gewöhnen müssen. Der Zustand, der bestand, bevor die großen warlords glaubten eingreifen zu müssen. Niemand kann damit glücklich und zufrieden sein, das ist auch nicht die entscheidende Frage. Die alleinige Frage für mich ist: So lange „weniger heftig geschossen wird“, wird weniger häufig gestorben.

    Mit Annexion zu drohen ist eine Sache. Sie zu starten eine andere. Wir sollten den Zustand des “noch nicht”, auch wenn es noch so brenzlig ist, so lange wie irgend möglich bewahren. Und verhindern, dass der erste Schuss, der die Kettenreaktion in Gang setzt, überhaupt fällt.

    Wie? Dazu bald mehr.

    Der blutige Waffenrock des Thronfolgers

    https://www.mediathek.at/onlineausstellungen/der-erste-weltkrieg/der-erste-weltkrieg-ausgabe-1/sarajewo-28-juni-1914/das-attentat

  • Die letzte Annexion (Teil 2) 

    von Jürgen Wertheimer 

    Trotz dieser ernüchternden Bilanz und obwohl man erkennen kann, dass die aufgeblasenen Maulhelden im Grunde mit leeren Händen dastehen folgen wir ihnen.

    Jüngste Beispiele : Trumps Irandeal, der die Mullahs nicht nur im Amt läßt, sondern sie auch noch subventioniert.

    Oder der G7 Gipfel in Evian, in dem die Europäer zu Schmeichlern und Duckmäusern mutieren und den sichtlich zerfallenden US Präsidenten aufs Erniedrigendste zu umgarnen versuchen.

    (https://www.stern.de/lifestyle/leute/friedrich-merz-und-donald-trump–deutschlandtrikot-als-geschenk-an-praesidenten-37552258.html

    Es ist schon erstaunlich wie tief der Reflex der Unterfung unser Handeln bestimmt. Wir alle (Europäer , Amerikaner , Russen..) lassen alles mehr oder weniger reaktionslos geschehen und über uns ergehen. Gut, angesichts dieser diffusen Bilanz beginnt in den USA ein leiser Gärungsprozess, der zur Erkenntnis führen könnten, auf dem falschen Weg zu sein. In Russland ein noch leiserer. Und auch der mutige Aufstand in Teheran fand bereits statt und wurde brutal niedergeschlagen. Im Schatten der Galgen geht man natürlich in Deckung.

    Aber dass die drei Hauptverursacher, Trump, Putin und Netanyahu, nach all ihren Untaten und Verbrechen noch immer in Amt und Würden sind, sagt einiges über unsere enorme Duldsamkeit aus. Man kann uns einiges, sehr viel zumuten. Die Macht der Diktatoren resultiert aus unserer feigen Passivität.

    Auch lassen wir zu, dass sich der Mehltau des Krieges, Treibstoff jeder Annexion, allmählich wie ein Smog über uns alle legt. Wenn jeder jeden belauert und vom anderen das schlimmst Mögliche annimmt, verschieben sich alle Akzente des politischen und sozialen Lebens gravierend.

    Vor ein paar Jahren umging man das Thema Krieg noch mit spitzen Fingern, verwies auf das Völkerrecht und hielt den bloßen Gedanken an Gewalt für „ethisch bedenklich“. Jetzt wo Krieg das Thema Nr. 1 geworden ist, kräht kein Hahn mehr danach – im Gegenteil regelrechte Hahnenkämpfe finden statt und jeder will den größten haben – z.B. Deutschland „das größte konventionelle Heer in Europa“. Auch dies ohne nennenswerten Protest. Im Gegenteil, wir sehen zu wie wir uns Milliarde für Milliarde in den kommenden Krieg gegen Russland sehenden Auges hineinmanövrieren.

  • Die letzte Annexion (Teil 1)

    von Jürgen Wertheimer 

    Bevor wir – für diese Spielzeit – zu einem vorläufigen Abschluss kommen, muss die Frage sein: Was ist seit dem November, seit der ersten Veranstaltung zum Thema der „Annexion“ realiter geschehen? Was konnten wir in Echtzeit beobachten? Damals war Kanada verbalen Drohungen durch Trump ausgesetzt. Wir stellen fest:Kanada und Greenland existieren noch immer – von Annexion ist derzeit kaum mehr die Rede. Vielleicht weil sich die Kanadier reaktionsschnell massiv positionierten und zu ihrer Autonomie bekannten (Lorenz).

    Ähnlich das Verhalten im Fall Venezuela. Überfall und Entführung mit großem Aplomb: das System symbolisch enthauptet – aber kein spürbarer gesellschaftlicher Wandel.

    Kein genereller Systemwandel auch im Iran, trotz beachtlichen militärischen Einsatzes. Das Regime der Mullahs sitzt gefestigt im Sattel – Abkommen hin oder her.

    Und ob man, wie großmäulig angekündigt, Cuba auf dem Rückweg vom persischen Golf eben mal so – im Handstreich – nehmen wird, bleibt abzuwarten..

    Eigentlich eine erschütternde Bilanz.

    Noch schlechter als die vom Annexions-Kollegen Putin. Aus dessen blitzkriegsartiger Spezialoperation gegen die Ukraine ist eine perspektivlose Hängepartie geworden. Einziges Resultat: Hunderttausende vollständig sinnlos gestorbener Soldaten.

    Und: Ein sicherlich nicht beabsichtigter Nebeneffekt : ein aufgewachtes, sich zunehmend kämpferisch gebendes Europa.

    Auch aus dem von Trump ursprünglich geplanten Schnellverfahren in Sachen Befriedung ist nichts geworden. Statt 24 Stunden vergehen nun Jahre… Kein Ende der Krieges in Sicht.

    Unterm Strich also eine desaströs Bilanz der Maulhelden in Ost und West. Und damit letztlich die positive Nachricht für uns alle, die Großsprecher, nicht mehr so ernst wie bisher zu nehmen. Ihre hohlen Drohungen zu ignorieren, nicht mehr auf jede ihrer zerebralen Zuckungen zu achten — Sie buchstäblich ins Leere laufen zu lassen… Ohne unser permanentes Echo schrumpfen all diese „Führer“ und Leader auf Normalgröße zusammen…

    https://www.grossplastiken.de/site/assets/files/26731/foto-greenpeace-trump-vor-elbphilharmonie-1.jpg

  • Romanpremiere „Die Scharfseherin“ – Save the date!

    am Freitag, den 17. Juli im Schloss Hohentübingen.

  • Annexionen und Übergriffe 7

    Polen, Ungarn, Tschechien und das Baltikum – Europas labiler Osten ist fest eingespannt in die Kraftfelder zwischen Westeuropa und Russland. Länder in diesen ideologischen und kulturellen Bruchzonen unterliegen einem permanenten Stresstest. Es ist ein Ringen um Zugehörigkeit, das zu ideologischen Konflikten, separatistischen Stimmungen und toxischen Nationalismen führt.

    Wie wird Identität in diesen Grenzregionen verhandelt? Und wie sezieren Literatur und Publizistik die Schatten der Vergangenheit, um aktuelle Machtstrukturen zu verstehen?

    In dieser Matinee geht Jürgen Wertheimer diesen Fragen nach und wirft einen Blick auf die Mechanismen, die unsere europäische Nachbarschaft prägen. Zu Gast ist die preisgekrönte polnisch-deutsche Autorin und Publizistin Magdalena Parys. Als scharfsinnige Beobachterin und „Pendlerin zwischen den Welten“ – bekannt durch Romane wie „Der Magier“ und ihre Arbeit für internationale Medien – analysiert sie die aktuellen ideologischen Konflikte. Im Gespräch mit Jürgen Wertheimer geht es somit auch um die Verteidigung demokratischer Werte und die Kraft der Literatur gegen das Vergessen.

    Die Moderation des Vormittags übernimmt Dr. Bernd Villhauer vom Weltethos-Institut, der die Brücke zwischen philosophischen Grundsatzfragen und realpolitischen Herausforderungen schlägt. Für die künstlerische Begleitung sorgt Wortakrobat Helge Thun, der das komplexe Thema mit gewohntem Tiefgang und einer Prise Humor flankiert.

  • Annexionen und Übergriffe 6

    Besteht eine neurobiologische Verbindung zwischen dem Streben nach Macht und deren Erlangung? Es ist verlockend, aktuelle Akteure wie Trump oder Putin sowie historische Machthaber durch die Brille der Neuropsychiatrie zu betrachten.

    Im Fokus stehen dabei jene Hirnareale, die für die antizipatorische Angst zuständig sind – und die bei Psychopathen oft markante Defizite zeigen. Das Gespräch geht der Frage nach, ob diese Erkenntnisse Wege für Prävention oder Verhaltensänderungen eröffnen.

    Niels-Peter Birbaumer, langjähriger Professor an der Universität Tübingen, widmet sich seit jeher den Extremen. Als einer der weltweit führenden Experten untersuchte er intensiv, inwieweit das Gehirn krimineller Psychopathen formbar ist. Seine bahnbrechenden Experimente mit „locked in“ Patienten brachten ihm weltweites Interesse und den ungerechtfertigten Verdacht „wissenschaftlichen. Fehlverhaltens“ seitens der Uni Tübingen ein.

  • Streiflicht – 4. Mai 2026

    von Jürgen Wertheimer

    Möglicherweise sind es bereits erste Symptome der Folgen des flächendeckenden, alle Kulturen und Schichten umfassenden, bedenkenlosen Einsatzes der KI? Das Abschmelzen der Polkappen des kritischen Denkens. Es ist allenthalben zu beobachten und es schreitet zügig voran.

    Großer Aufreger in den Medien: ein Blogger, der es sich zum Prinzip gemacht hat, alles was ihm interessant erscheint, Kriminelle oder Politiker, Gangster und Geldsäcke zu interviewen und sie stundenlang reden zu lassen, wagt sich – das gefährlichste Gespräch seines Lebens, wie er stolz verkündet – an den AfD Frontman B. Hoecke. Das Besondere an diesem Format: kein Kommentar, keine Haltung, keine Kritik. Und siehe da: Das Gespräch geht im Netz durch die Decke: Millionen von Usern schalten sich binnen Stunden ein und inhalieren den Schrott widerstandslos. Der Rechtsaußen der Rechten gibt den Wolf im Schafspelz , spricht, als ob er Kreide gefressen hätte, mimt den souveränen Ehrenmann, der nichts mehr hasst als „Ideologien“. Der Verhetzer als sanft lächelnder Aufklärer – das hat man auch nicht alle Tage. Und die Massen genießen den sanften Sound zu Millionen und lassen sich widerstandlos berieseln, belügen.

    Anderes Beispiel, nahezu zeitgleich, von der anderen Seite des Atlantiks. König Trump spricht vor dem erlauchten Auditorium des „Club of the Palm Beaches“ über dies und das.

    Unter anderem über seine Sicht auf den Irankrieg, den er so vollständig gewonnen hat, wie man einen Krieg nur gewinnen kann – zustimmendes dezentes Gelächter des Publikums. Dann ein paar Sätze über die lächerlich kleine Insel Cuba, die man auf dem Rückweg aus Iran, im Vorbeigehen einnehmen, mitnehmen werde. Ein Schiff mit 80 Kanonen, pardon, ein USS Flugzeugträger taucht vor der Küste auf und allein dieses Erscheinen, so Trump, genügt, um ganz Cuba zu einer jämmerlichen Kapitulation zu bringen… Wiederum erheitertes Gelächter in der Runde.

    Dass die „Protagonisten“ der beiden Beispiele so sind, wie sein nun einmal sind, ist eine Sache: verlogen bis in Mark, korrupt, ich besessen.

    Dass sie so werden konnten und es bleiben können allerdings, liegt an uns. Wir scheinen bereits somatisiert, mental eingeschläfert zu sein. Sei es durch übermäßigen KI-Konsum oder andere intellektuelle Ruhigsteller. So lassen wir die größten Lügen, zynischen Irrwitz, perfide Gemeinheit ohne nennenswerten Widerstand über uns ergehen – allenfalls lachen wir amüsiert, wenn man uns einmal mehr kaltstellt.