Logbuch – Sept 22

Von Jürgen Wertheimer

Pristina

Koordinaten: 42° 40′ N , 21° 10′ O

Regungslos vernahm der frühere Premier und Präsident Hashim Thaçi den Urteilsspruch des Sondergerichts in Den Haag: 25 Jahre wegen schwerer Kriegsverbrechen an albanischen Kriegsgefangenen. Draußen, vor den Toren des Gerichts warteten gewaltbereite kosovarische Demonstranten, die leidenschaftlich gegen diese, in ihren Augen skandalöse Ungerechtigkeit demonstrierten. Für sie ist und bleibt Thaçi ein Kriegsheld.

Anfang September wurde der serbische Kriegsverbrecher Mladić in Belgrad pompös mit militärischen Ehren beigesetzt. Tausende nahmen teil, darunter auch serbische Amtsträger. Die EU-Spitze reagierte entsetzt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa haben die Trauerfeier für den verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladić in Serbien scharf kritisiert. Die Bilder der Beerdigung in Belgrad seien „schockierend“, erklärten sie. Besonders die offizielle Unterstützung und die Teilnahme hochrangiger serbischer Amtsträger seien „zutiefst bedauerlich“.

Nur zwei Beispiele für die enorme Diskrepanz zwischen offizieller EU-Politik und der jeweiligen nationalen Wirklichkeit. Während der serbische Präsident Aleksandar Vucic die rot-blau-weiße Flagge schwingend um Stimmen für die Wiederwahl wirbt, dabei bedingungslos auf die Karte des Nationalismus setzt und Lunte an den im gesamten Balkanraum köchelnden radikalen Patriotismus legt, ergeht man sich in Brüssel in „Beobachtung“ und sanften Ermahnung. 

Jetzt müsste man geballte politische, diplomatische , ökonomische  Power investieren und  für alle Balkanländer einen Status der Assoziation mit der EU aushandeln. Allein das würde den nationalistischen Kräften Wind aus den Segeln nehmen. 

PS: Grönland

Er hat es wieder mal geschafft: einen Deal nach seiner Fasson durchzuziehen. 

Die taffe Frau Fredriksen lächelt kraftlos.

Der grönländische Präsident kapituliert.

Man feiert einen tollen Deal, der 1:0 für die USA besiegelt:  Kein anderer darf von nun an Grönland betreten, militärisch regeln alles die USA, Bodenschätze ohnehin USA, alle wichtigen geopolitischen Fragen, USA. Aber der FC Nuuk darf noch immer für Grönland Fußball spielen.

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