EU-Kanada – ein Zukunftsdmodell?

von Jürgen Wertheimer

Kanada und die Europäische Union. Bild: © European Union, 2016 – Audiovisual Service, European Commission https://audiovisual.ec.europa.eu/en/media/photo/P-032872?utm_source=chatgpt.com

Kanada als assoziierter  EU Partner – kein Mitglied aber  eng liiert.  Wer auch immer diese Idee hatte – er oder sie verdient Applaus. Es scheint so, als wäre Europa auf einem guten Weg, sich aus einer gewissen Erstarrung in Bezug auf sein Grenzmanagement zu lösen. 

Bisher galt immer ein striktes Entweder/Oder.  Oft blockierten jahrelange Erwägungen, ob ein Land  der EU beitreten dürfe oder noch nicht   das politische Handeln

Ausgerechnet mit dem viele  Flugstunden entfernten Kanada ist man im Begriff, nun neue Wege zu gehen, einen dritten Weg zu erkunden,  jenseits  schematischer  Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit.

Man nenne es wie man wolle, Assoziationsabkommen oder Freihandelszone – wichtig ist allein, dass sich Grenzen verflüssigen statt  sich immer mehr zu verhärten. 

Leider ist mir nicht bekannt, dass ähnlich kreative  Wege in Richtung flexibler Grenzkonstrukte für den binneneuropäischen Raum auch nur angedacht würden: z.B für die  seit Jahrzehnten umstrittene Türkei. Ganze Bibliotheken moderner Migrationsliteratur spiegeln  die Folgen kultureller Zerrissenheit und Spaltung, die mit einer flexiblen Lösung à la Kanada  auf einen Schlag aufgelöst würden. 

Dasselbe gilt für den Balkanraum, der durch ein unsinniges Aufnahmeverfahren – welches Land darf, welches noch nicht – in heillose, blutige Rivalitäten getrieben wird. 

Für den gesamten Balkanraum, aber auch für die Länder an der Ostflanke, wäre zu überprüfen, was besser, was zukunftsträchtiger ist : die Grenzen zu Russland immer mehr hochzuziehen oder wieder Bewegung ins Spiel zu bringen  – Druck aus dem Kessel der Ideologien  zu nehmen. Ein mit der EU „nur“ assoziiertes Baltikum –wäre das wirklich so undenkbar? Ganz zu schweigen von der  realiter gleichermaßen russisch wie europäisch geprägten  Ukraine. Auch hier ist die Literatur der  verhärtenden Politik  der immer undurchdringlicher werdenden Grenzzäune weit voraus. Ob Andruchowytsch,  Sorokin, Glukhovsky oder Tokarczuk – alle zeichnen das Bild hoffnungslos vermischter, ambivalenter, hybrider Kulturen,  zu denen nichts weniger passt als die Entscheidung für oder gegen EINE einzige Zughörigkeit . 

Immerhin: die Einfallstore für ein Neues Denken scheinen sich mit dem kanadischen Modell zu öffnen – gehen wir mutig hindurch.

JÜW Sept. 26

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